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Die Skulpturen, gehoben bei den Ausgrabungen der Kathedrale St. Gallen von 1963–1967, stammen aus drei durch die Befunde festgelegten Zeithorizonten: – vor 720: ein Einzelstück, ausserordentlich in Form und Dekor – um 760 (Kirche Maria/Gallus II): ein Ensemble mit besonderen Werkstücken – Zeit von Abt Gozbert (816–837): Fragmente von liturgischem Mobiliar, vor allem aber 15 Kapitelle und Kämpfer ungewöhnlicher Grösse und Form, die im Mönchschor der Klosterkirche standen; diese erbaute Abt Gozbert gegen 835 in monumentalem Ausmass.
Weit ausgreifende Studien erhellen die Genese des eigenwilligen Formenschatzes der Bauskulptur: Elemente unterschiedlicher Traditionen werden aufgenommen und zu etwas Eigenem gestaltet. Dank günstiger Konstellation bietet die St. Galler Skulptur die Möglichkeit für Stilanalysen, in denen stratigraphisch datierte Objekte aus der 2. Hälfte des 8. Jh. und dem 2. Viertel des 9. Jh. mit ähnlichen Motiven einander gegenübergestellt werden. Derartige Fälle sind selten.
Drei Abhandlungen widmen sich den Schilfblattkapitellen (Ulf Schulte-Umberg), technischen Aspekten der Gozbert’schen Kapitelle (Peter Völkle) und der Frage nach deren Fassung (Patrick Cassitti/Rufino Emmenegger).
Dr. phil. Kathrin Roth-Rubi: * 1946, von Burgdorf und Berken.
Studium 1965–1976 in Bern, im Hauptfach Klassische Archäologie (H. Jucker) in Verbindung mit Provinzialrömischer Archäologie (E. Ettlinger). Studienaufenthalte in Rom
1983–2007 Lehrbeauftragte der Uni Zürich, Seminar für Ur- und Frühgeschichte. Zusätzlich 1992–1996 Lehrbeauftragte der Uni Zürich, Lehrstuhl für Mittelalterarchäologie
1990–1994 Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft für die provinzialrömische Forschung in der Schweiz
1990–2002 Mitglied der wissenschaftlichen Kommission der Schweiz. Ges. für Ur- und Frühgeschichte
Seit 1999 Mitarbeit im Büro Sennhauser, Zurzach
2005–2007 Nationalfondsprojekt »Archäologie und Kunstgeschichte des Klosters St. Johann in Müstair. Auswertung: Marmorskulptur«. Seither Weiterführung des Projektes in Zusammenarbeit mit HR. Sennhauser.
Verschiedene Forschungsaufträge im Rahmen des Schweiz. Nationalfonds, der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Institut für Kulturgeschichte der Antike (Forschungen in Ephesos), und Mandate von Kantonsarchäologien der Schweiz. Forschungsschwerpunkte: Frühe Kaiserzeit und Spätantike / Übergang zum Mittelalter.